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Delegation Poker

Ich liebe ja Methoden, mit denen meine Kunden einen leichten Zugang zu ihren Themen bekommen, die sie gerade beschäftigen.
Eine Methode, die ich gern nutze, ist Delegation Poker. Mit Delegation Poker spielt man mithilfe von Karten aus, wer welche Verantwortung und Befugnisse für Entscheidungen erhält.
Das Schöne daran ist, Sie können mit diesem Kartenspiel mit Ihren MitarbeiterInnen Handlungsspielräume festlegen, Verantwortung neu verteilen und neue Standards für Entscheidungen festlegen. Das schafft nicht nur Klarheit und Transparenz, das entlastet auch beide Seiten, Sie und Ihre MitarbeiterInnen. So können Sie die Methode nutzen, um mehr Verantwortung an Teams und einzelne MitarbeiterInnen zu delegieren.
Wenn es zu Ihrer eigenen Führungskultur passt.

Beispiele, für die sich Delegation Poker eignet

  • Ihr Team möchte das nächste Mitglied für die Zusammenarbeit selbst auswählen – gehen Sie das mit?
  • In Ihrer Abteilung gibt es einen großen Bedarf nach Fortbildungen – und ein begrenztes Budget. Wer entscheidet, wer welche Fortbildung besucht?
  • Eine Mitarbeiterin ist für den Einkauf zusätzlicher Hardware für hybride Events verantwortlich. Dafür hat sie von Ihnen ein Budget erhalten. Um welchen Betrag darf sie das Budget überschreiten? 

Wir kennen üblicherweise die Entscheidungsprinzipien „Sie entscheiden“ oder „Ihre Mitarbeiterin Frau X entscheidet“.
Nach dem Managementberater Jürgen Appelo gibt es insgesamt sieben Prinzipien, wie Entscheidungen getroffen werden können.

Die sieben Entscheidungsvarianten

  1. Mitteilen – Ich entscheide – und danach informiere ich Sie darüber
  2. Begründen – Ich entscheide – und begründe Ihnen nachher, dass das so richtig war
  3. Konsultieren – Ich entscheide, aber vorher bitte ich Sie um Rat und Meinung und beziehe dies in meine Entscheidung mit ein
  4. Einigen – Wir entscheiden gemeinsam, nachdem wir über alles diskutiert und einen Konsens gefunden haben
  5. Beraten – Sie entscheiden und ich biete Ihnen meine Meinung und meinen Rat an
  6. Erkundigen – Sie entscheiden und ich erkundige mich im Nachgang, wie Sie sich entschieden haben
  7. Delegieren – Sie entscheiden und ich muss nicht wissen, wie und warum Sie sich so entscheiden haben

In diesen sieben Konstellationen steht das „Sie“  für die Sicht der Führungskraft. Wenn wir uns z. B. Variante 3 „Konsultieren“ anschauen, haben Sie als Führungskraft eine Entscheidung getroffen, nachdem Sie vorher um Rat und Meinung gebeten haben.

Der Ablauf

Nehmen wir das Beispiel Urlaub. Das ist ein Thema, dass ich gern bei Veranstaltungen nutze, wenn ich die Methode vorstelle.

Sie und Ihre MitarbeiterInnen erhalten einen Satz mit 7 Karten und jede hat eine der Ziffern von 1 bis 7.
Jede Ziffer symbolisiert ein Entscheidungsprinzip.
Jede/r SpielerIn überlegt nun, wie er/sie möchte, dass entschieden wird. Und wie schon beschrieben immer aus dem Blickwinkel der Führungskraft. Sie selbst überlegen, welche Personen über den Urlaub entscheiden sollen. Ihre MitarbeiterInnen überlegen sich, welchen Entscheidungsspielraum sie sich von Ihnen wünschen. Haben sich alle Mitspieler eine Variante überlegt, wird aufgedeckt.
Nun besprechen die beiden TeilnehmerInnen, die die am weitesten voneinander entfernte Zahl aufgedeckt haben, warum sie so entschieden haben.  Dann wird die Runde nochmal ausgespielt, um zu schauen, ob die TeilnehmerInnen ihre Meinung geändert haben. Am Schluss erläutert die Führungskraft – wenn sie nicht schon vorher im Austausch war – ebenso ihr Entscheidungsprinzip. Die ist letztlich ja maßgebend.

Wenn ich das Tool im Unternehmen einführe, lasse ich nach dem Aufdecken der Karten auch gern alle ihre gewählte Variante erläutern. So sind dann alle gefordert, Farbe zu bekennen.
Und das finde ich „nebenbei noch so wunderbar; dass man durch dieses Spiel einfach so ins Gespräch kommt, über Hierarchien hinweg. Das ist etwas ganz anderes, als wenn man sich in den klassischen Meetingstrukturen trifft und miteinander verhandelt.

Delegation-Board

Die Ergebnisse tragen Sie in ein Delegation-Board ein. Das sorgt dafür, dass alle jederzeit wissen, welche Entscheidungsbefugnis gilt. Das vermeidet die nervigen Nachfragen wie „Was war noch der Stand der Dinge? Was hatten wir nochmal besprochen?”

Was man durch Delegation Poker lernt:

Delegation ist keine entweder – oder-Entscheidung, es gibt mehrere Entscheidungsvarianten für Führungskräfte.
Delegation ist ein Prozess. Mehr Verantwortung für Teams und MitarbeiterInnen entsteht nicht nach dem Motto „Ab heute machen wir das so“. Der Prozess der Delegation wächst Schritt für Schritt durch Ausprobieren, Erfahrung teilen und Feedback. So geht übrigens jeder gute Veränderungsprozess.
Delegation ist situations- und kontextabhängig. Eine Lösung für alles macht keinen Sinn. Es geht darum, konkrete Situationen zu diskutieren und daraus allgemeine Prinzipien abzuleiten. So weiß jede/r, wer wann was in welchem Umfang entscheiden darf.